Umfrage

Liebes Orchester,

in dieser Umfrage suchen wir das Programm für unser Konzert im Frühjahr 2027. Klicke auf den Werktitel, um zu einem YouTube-Video zu kommen (bei den meisten kann man die Partitur mitverfolgen).

Programm 1:

Dieses Programm widmet sich einer der faszinierendsten Figuren der Kulturgeschichte: Faust. Kaum ein Stoff hat die Kunstwelt über Jahrhunderte hinweg so beschäftigt wie die Geschichte eines Menschen, der nach Erkenntnis, Erfüllung und dem Überschreiten seiner Grenzen sucht.

Den Auftakt bilden zwei heute kaum bekannte Sichtweisen auf denselben Stoff. Louise Bertins Ouvertüre zu Fausto und Emilie Mayers Faust-Ouvertüre zeigen, wie unterschiedlich sich die romantische Vorstellung von Faust musikalisch ausdrücken lässt. Beide Werke sind voller Dramatik, Energie und großer Operngesten. Beide besitzen aber jeweils ihre ganz eigene Klangsprache: Bertin zeichnet das dramatische Bild eines zerrissenen, von dunklen Kräften umgebenen Faust und betrachtet die Handlung eher von außen. Mayer hingegen richtet den Blick auf den Menschen hinter der Figur. Ihre Musik konzentriert sich stärker auf die Tragik des Gelehrten und lässt zwischen den immer wieder aufscheinenden Schatten des Teufelspakts auch Momente von Hoffnung, Sehnsucht und vermeintlichem Glück aufblitzen.

Den Höhepunkt des Abends bildet natürlich Berlioz‘ Symphonie fantastique. Auch wenn sie nicht unmittelbar auf Goethes Faust basiert, sind die deutlichen Parallelen kaum zu übersehen. Berlioz erzählt die Geschichte eines jungen Künstlers, der sich in einer unerreichbaren Liebe verliert und in einen Strudel aus Sehnsucht, Leidenschaft, Rausch und Wahn gerät. Die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung lösen sich zunehmend auf.

Kaum ein Werk war seiner Zeit so weit voraus. Mit der Symphonie fantastique sprengt Berlioz – Meister der Instrumentation – die Grenzen der klassischen Symphonie und erschafft eine farbenreiche Welt voller Extreme und ausdrucksstarker Bilder. Vom rauschhaften Ball im zweiten Satz über eine friedliche Landschaft im dritten zu einem düsteren Traum unter Drogen im vierten bis hin zum Hexensabbat im fünften Satz entfaltet Berlioz eine Klangpalette von einer außergewöhnlichen Fantasie. Die Musik ist bildhaft, radikal und mitreißend – und gilt bis heute als eines der originellsten Orchesterwerke des 19. Jahrhunderts.

Louise Bertin: Ouverture zu Fausto, 2222-4230-Pk+2-Str, 10 min.
Emilie Mayer: Faust Ouvertüre op. 46, 2222-2231-Pk-Str, 14 min.
Hector Berlioz: Symphonie fantastique H48, 2224-4432-2Pk+3-Hrf2-Str, 55 min.

Programm 2:

Im Zentrum dieses Programms steht Anton Bruckners Siebte Symphonie – sein bekanntestes, beliebtestes Werk und für viele der vollkommenste Ausdruck seiner Klangwelt. Kaum ein Werk verbindet monumentale Größe und tief empfundene Menschlichkeit auf vergleichbare Weise. Bruckners Musik nimmt sich Zeit. Sie sucht nicht den schnellen Effekt, sondern entfaltet ihre Wirkung aus langen Bögen und dem Vertrauen, dass sich große Gedanken langsam entwickeln dürfen.

Bruckners Musik ist durchdrungen von der österreichischen Landschaft, ihren Bergen, ihrer Weite und ihrer Stille. Gleichzeitig ist sie Ausdruck eines tiefgläubigen Menschen, der nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens sucht. Immer wieder entstehen gewaltige Steigerungen, die sich aus kleinsten Motiven entwickeln, bevor sie sich in Momente von intimer Ruhe und Innigkeit auflösen. Eine Besonderheit dieser Symphonie ist Bruckners Verehrung Richard Wagners. Sie zeigt sich nicht nur in der Verwendung der Wagner-Tuben mit ihrem dunklen und zugleich warmen Klang, sondern auch in zahlreichen Anklängen an dessen musikalische Sprache, die Bruckner auf ganz eigene Weise weiterdenkt. Besonders das berühmte Adagio gehört zu den bewegendsten langsamen Sätzen der gesamten Musikgeschichte. Die große Klimax dieses Satzes zählt zu den überwältigendsten Momenten der sinfonischen Literatur.

Dem gegenüber steht in bewusstem Kontrast Haydns Cellokonzert Nr. 1 – ein Werk voller klassischer Eleganz und Leichtigkeit. Haydn zeigt das Cello von seiner virtuosen, gesanglichen und verspielten Seite. Die Musik sprüht vor Einfallsreichtum, Spielfreude und Klarheit, teilweise hat man das Gefühl, dass die Musik anfängt zu schweben. Gerade in ihrer scheinbaren Selbstverständlichkeit entfaltet sie eine große Wirkung.

Zusammen ergeben beide Werke ein Programm, das zwei sehr unterschiedliche Seiten der österreichischen Musiktradition zeigt: hier die kammermusikalische Transparenz und Klarheit der Wiener Klassik, dort die überwältigende Weite der Spätromantik.

Joseph Haydn: Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur (Hob. VIIb:1), 0200-2000-Str(8.6.5.4.3), 28 min.
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 WAB 107 in E-Dur, 2222-8331-Pk+2-Str, 75 min.

Programm 3:

Dieses kontrastreiche Programm vereint drei Komponisten in ganz unterschiedlichen Lebensphasen zu einem abwechslungsreichen und Abend. Es beginnt mit Brahms auf dem Höhepunkt seines Schaffens, führt über einen der bedeutendsten Klarinettenvirtuosen des 19. Jahrhunderts und endet mit einem gerade einmal neunzehnjährigen Komponisten, der die Musikwelt im Sturm erobern sollte.

Brahms‘ Tragische Ouvertüre ist ein beeindruckend konzentrierter und kraftvollee Edelstein. Ohne ein konkretes Programm zu erzählen, entfaltet sie eine Welt voller Spannung, Dramatik und innerer Konflikte. Diese Ouvertüre trifft ungewöhnlich direkt, univeralverständlich, unmittelbar ins Herz und verzichtet auf jedes überflüssige Wort. In wenigen Minuten entsteht eine Dichte und Intensität, für die andere Komponisten ganze Symphonien benötigen.

Mit Louis Spohrs Klarinettenkonzert Nr. 4 folgt eines der großen romantischen Werke für dieses Instrument. Spohr versteht es, ungemein genial Virtuosität und Gesanglichkeit miteinander zu verbinden. Die Klarinette glänzt in allen erdenklichen Facetten: mal brillant und technisch anspruchsvoll, mal warm, lyrisch und beinahe menschlich in ihrem Ausdruck.

Den Höhepunkt des Abends bildet Schostakowitschs Erste Symphonie. Kaum zu glauben, dass dieses Werk als Abschlussarbeit eines neunzehnjährigen Studenten entstand. Die Symphonie sprüht vor Einfallsreichtum, Witz und Originalität. Immer wieder wechselt der Charakter zwischen scharfer Ironie, groteskem Humor, lyrischen Momenten und großen dramatischen Ausbrüchen. Gleichzeitig ist bereits vieles von dem zu hören, was Schostakowitsch später berühmt machen sollte: sein untrügliches Gespür für Orchesterfarben, seine Fähigkeit zur Zuspitzung und seine ganz eigene Mischung aus Ernst und Sarkasmus. Es ist das erstaunliche Dokument eines jungen Komponisten, der vom ersten Werk an eine unverwechselbare Klangsprache besitzt.

Johannes Brahms: Tragische Overtüre Op.81, 3222-4231-Pk-Str, 13 min.
Louis Spohr: Klarinettenkonzert Nr. 4, 2222-2220-Pk-Str, 25 min.
Dimitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 1 Op. 10 f-Moll, 3222-4331-Pk+5-Pft-Str, 35.

Abstimmung

Gib bitte für jedes Programm an, ob du es gerne spielen möchtest oder nicht. Wenn für dich nur eins in Frage kommt, enthalte dich bei dem anderen. Gib ein „Nein“ nur, wenn du es wirklich nicht spielen möchtest. Danke!

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